Journalisten: Begeistert trotz Hungerlohn?

Kann man eigentlich als freier Autor genug Geld zum Überleben verdienen?

 

Als Schriftsteller sicher nicht, wenn man der Künstlersozialkasse glauben darf. Deren Daten zufolge verdienen Schriftsteller im Durchschnitt 14.000 € im Jahr. Die meisten haben noch Nebenjobs oder beziehen Harz IV.

 

Und freie Journalisten?

 

Der Honorarpranger des Journalistenvereins "Freischreiber e.V." malt ein düsteres Bild: Da zahlt etwa der "Tagesspiegel am Sonntag" ganze 300 € für einen Essay von 10000 Zeichen. Der "Kölner Stadtanzeiger" rückt das durchaus gängige Honoarar von 21 Cent pro Zeile heraus. Den Vogel schießt allerdings das Feuilleton der "Zeit" ab (zugegebenermaßen vor fünf Jahren): Ein 9000 Zeichen langes Stück für die Samstagsausgabe honorierte die Zeitung generös mit 180 €.

 

Noch schlimmer sieht es bei vielen Online-Medien aus. Gerade die Internet-Publikationen, deren Print-Ausgaben sich hohe journalistische Qualität auf die Fahnen geschrieben haben, vergüten tausende von Zeichen mit lächerlichen Beträgen weit unter 200€ - siehe z.B. "Zeit online".

 

Manche Redaktionen bestellen zwar Artikel, bezahlen aber erst bei Abdruck. Aus purer Not lassen Journalisten das mit sich machen. Den Autohändler möchte ich sehen, der ein Auto ausliefert, aber dafür erst Geld sehen will, wenn der Besitzer den Wagen auch tatsächlich fährt. (Seltsames Geschäftsgebaren erlebt man manchmal auch bei TV-Produktionsfirmen, die Themenvorschläge bestellen: Da hört man oft, die Aussicht, vielleicht einen Auftrag zu bekommen, sei Ansporn genug, etwas zu erarbeiten. Aber wie in anderen Geschäftsbereichen auch, sollte jeder bezahlen, was er bestellt.)

 

Da bin ich froh, dass ich schon während des Studiums beschlossen habe, Radio und Fernsehen machen zu wollen. OK, damals habe ich auch drei Stunden in einer Haupt- und Finanzausschusssitzung gesessen und dann noch in der Nacht meinen Beitrag geschrieben und aufgezeichnet - Stundenlohn: 4,00 D-Mark. Aber, hey, beim Frühstück konnte ich mich im Radio hören!

 

Wesentlich besser bezahlt wurden die kürzesten Texte, die ich je geschrieben habe: Als regelmäßiger Gag-Autor der frühen "Harald Schmidt Show" und "RTL Samstagnacht" bekam ich 175,- DM bzw. 250,- DM für Zweizeiler wie diesen: Der REWE-Konzern steigt jetzt bei "Pro 7" ein. Erste Neuerung: Der Sender wird umbenannt in "Pro 6,99".

 

Oder noch kurzer: In Schweden ist ein Heißluftballon abgestürzt. Das letzte Wort des Piloten: Uppsala!

 

Schon klar: Honorare können gerne immer höher sein, aber bei den Beträgen, die die öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender zahlen, fühlt man sich wenigstens nicht ausgebeutet. Hier sind zwei Beispiele für Honorarrahmen, der vom WDR und der vom BR. Und kürzlich habe ich sogar einen Redakteur erlebt, der mein Honorar HOCHgehandelt hat, weil er der Ansicht war, ich hätte zu wenig verlangt!

 

Diese im Vergleich zu Tageszeitungshonoraren traumhafte Vergütung erfordert aber auch einen höheren Einsatz: TV-Autoren müssen Treatments und Exposés schreiben, Protagonisten besorgen, Dreharbeiten planen und organisieren, die Dreharbeiten mit dem Kamerateam durchführen, Material sichten, den Beitrag in Zusammenarbeit mit dem Cutter schneiden, den Sprechertext schreiben und an Timecodes anpassen, den Beitrag von der Redaktion abnehmen lassen, Internetinformationen zusammenstellen, Schnittlisten und GEMA-Meldungen schreiben und manches mehr.

 

Dabei kommt etwas zu kurz, was das Schreiben eigentlich zu einer faszinierenden Tätigkeit macht: Beim TV-Manuskript kommt es in erster Linie auf Verständlichkeit an. Einfache Sätze sind gefordert, keine literarische Qualität. Das sorgfältige, fantasievolle Formulieren, das Ringen um die schönsten Metaphern, das stundenlange Feilen an einem Satz, bis ein kleines Kunstwerk aus Buchstaben und Worten entstanden ist, all dass ist beim Fernsehtext nicht gefragt. Natürlich müssen auch TV-Manuskripte sorgfältig geschrieben sein, aber der literarische Anspruch ist meist eher niedrig.

 

Wie oben erwähnt, ernährt Literatur jedoch ihren Schöpfer nicht, daher dürften die meisten freien Journalisten ihre literarischen Ambitionen eher in der Freizeit ausleben. Zumal sich der Buchmarkt in den letzten Jahren sehr stark verändert hat und es nicht mehr hauptsächlich darauf ankommt, ein gutes Buch zu schreiben, wenn man Erfolg haben will, sondern ein Buch, dass die Einkäufer der großen Buchhandelsketten für aussichtsreich halten.

 

 

Vor ein paar Jahren hatte ich Gelegenheit, zusammen mit zwei anderen Autoren ein Begleitbuch zu einer ZDF-Dokuserie zu schreiben. Ich fand damals das Honorar gar nicht übel, im Gegenteil. Kurz nachdem das Geld auf meinem Konto gelandet war, ging der Verlag pleite. Aber ich schwöre: Da gibt es keinen Zusammenhang!